Süper Lig: Drei große
Clubs aus einer Stadt und viel Herzblut
Die Süper
Lig ist vor allem von der Dominanz der drei
großen Vereine aus Istanbul geprägt:
Fenerbahçe,
Galatasaray und Beşiktaş
gehören zu den mit Abstand erfolgreichsten
Vereinen des Landes. Die Fans ihrer Vereine
gehören zweifellos zu den leidenschaftlichsten
der Welt.
Experten wie Joachim Löw, einst
bei Fenerbahçe und Adanaspor unter Vertrag,
vergleichen die Fußballbegeisterung in der Türkei
sogar mit einer Religion – und so schlägt die Hingabe
der Fans bisweilen auch in Fanatismus um.
Dass
trotz fehlender regelmäßiger Erfolge in den
europäischen Wettbewerben Weltstars wie Roberto
Carlos, Nicolas Anelka und Guti in die Türkei
wechselten, dürfte aber auch genau dieser besonderen
Atmosphäre geschuldet sein. Und natürlich dem Geld,
das vor allem beim Klassenkrösus Fenerbahçe locker
sitzt: Der Verein zählt inzwischen zu den
umsatzstärksten Clubs der Welt.
Wer wird Meister in der
Türkei? Hier
eine Quoten-Übersicht der Turkcell Süper Lig:
Meister
Wettquote
Wettbüro
Fenerbahce
2.00
Trabzonspor
2.00
Besiktas
41.00
Bursaspor
7.50
Galatasaray
101.00
Kayserispor
101.00
Karabukspor
501.00
Antalyaspor
351.00
Istanbul BB
251.00
Ankaragücü
501.00
Eskisehirspor
501.00
Gaziantepspor
251.00
Manisaspor
501.00
Genclerbirligi
751.00
Bucaspor
1501.00
Konyaspor
1501.00
Sivaspor
1501.00
Kasimpasa
2501.00
(Stand: 04.02.2011)
Dabei fing alles sehr klein
und regional beschränkt an: 1904 wurde der Fußball in
der Türkei erstmals in einer Liga organisiert, damals
aber zunächst beschränkt auf den Raum Istanbul. Andere
Städte folgten dem Beispiel erst später und
veranstalteten ihre eigenen Wettbewerbe. Ab 1937
traten Vereine aus Istanbul, Izmir und Ankara dann
erstmals in einer überregionalen Liga gegeneinander
an. Zwei Spielzeiten vor der Gründung der heutigen
offiziellen Liga wurde der Landesmeister in einem
Pokalwettbewerb ausgespielt – die beiden Titel, die
Beşiktaş damals gewinnen konnte, wurden dem Club
nachträglich als offizielle Meisterschaften
zugerechnet. Erst 1959 gründete der türkische
Fußballverband dann schließlich die landesweite Liga,
erster Meister des neuen Wettbewerbs wurde Fenerbahçe.
Fenerbahçe, Galatasaray und Beşiktaş dominieren die
Liga
In der Folge
machten Fenerbahçe, Beşiktaş und Galatasaray 17 Jahre
lang den Titelgewinn unter sich aus, bis ein anderer
Club an der Spitze der Süper Lig stand: 1976 feierte
Trabzonspor seinen ersten Meistertitel und startete
eine kleine Erfolgsserie mit sechs Meisterschaften in
neun Jahren. Erst 2010 konnten sich wieder
jene freuen, die bei ihren
Wett-Tipps auf einen Außenseiter gesetzt hatten:
Bursaspor unterbrach die
Istanbuler Dominanz überraschend und wurde Meister.
Überragender
Spieler in den ersten Jahren der Liga war Metin Oktay.
Mit Galatasaray feierte der Stürmer drei
Meisterschaften und vier Pokalsiege, wurde zudem mit
insgesamt 217 Ligatreffern sechsmal Torschützenkönig.
Unter Gala-Fans unvergessen blieb vor allem sein
Treffer gegen Erzrivale Fenerbahçe, bei dem Oktay mit
einem fulminanten Schuss ein Loch ins Tornetz schoss.
Zur einer Legende der Süper Lig wurde später auch
Innenverteidiger Bülent Korkmaz, der in den
1980er-Jahren in die erste Mannschaft Galatasarays kam
und in über 20 Jahren und 630 Ligapartien zum
Rekordspieler der Süper Lig wurde. Insgesamt konnte
Korkmaz beeindruckende 29 Titel gewinnen, wurde mit
der Türkei WM-Dritter und zudem der erste
Nationalspieler seines Landes mit über 100 Einsätzen.
An die erste
Mannschaft herangeführt wurde Korkmaz übrigens unter
Trainer Jupp Derwall, der 1984 nach Istanbul kam und
gemeinsam mit Friedel Rausch, der schon 1980 bei
Fenerbahçe angeheuert hatte, Vorreiter einer deutschen
Trainertradition bei türkischen Clubs sein sollte. Auf
die beiden folgten unter anderem Siggi Held, Reinhard
Saftig, Werner Lorant, Michael Skibbe, Joachim Löw,
Thomas Doll und Bernd Schuster. Zu den populärsten
deutschen Trainern in der Türkei wurden neben Derwall
Karl-Heinz Feldkamp und Christoph Daum. Von der
einzigartigen Stimmung und Leidenschaft in der
türkischen Liga angelockt, wagten seit den 90er-Jahren
auch Trainer von Weltformat den Schritt in die Türkei
– mit unterschiedlichem Erfolg: Während der
brasilianische Weltmeister-Coach Carlos Alberto
Parreira mit Fenerbahçe die Meisterschaft gewinnen
konnte, blieb Luis Aragonés, der Spanien
zum Europameistertitel führte, ohne Titelgewinn in der
Türkei.
Das Spiel der Spiele
zwischen den Kontinenten: Galatasaray – Fenerbahçe
Zu einem
Klassiker unter den Süper Lig-Wetten gehört seit jeher
das „Interkontinentale Derby“ zwischen Fenerbahçe und Galatasaray. Beide
Clubs kämpfen seit Jahren um den Titel Rekordmeister
und damit auch um die sportliche Vorherrschaft in
Istanbul. Die Partien zwischen den zwei Rivalen finden
seit über einem Jahrhundert statt und versetzen die
Stadt in einen Ausnahmezustand. Der geographische
Hintergrund heizt das Duell zusätzlich an: Fener trägt
seine Heimspiele auf der asiatischen Seite Istanbuls
aus, Gala dagegen auf europäischem Boden. Wer auf
diese Partie einen Wettbonus setzt, sollte auf alles
gefasst sein: Ausschreitungen und Spielunterbrechungen
sind bei der Partie keine Seltenheit.
National
konnten beide Clubs bisher ähnlich viele Erfolge
feiern, international gelang es Galatasaray jedoch,
den Rivalen auszustechen. Nachdem die Mannschaft schon
in der Saison 1988/89 bis ins Halbfinale des
Europapokals der Landesmeister vordringen konnte,
gelang im Jahr 2000 dann der Coup: Die Rot-Gelben
holten unter Trainer Fatih Terim den UEFA-Pokal an den
Bosporus. Im Finale schlugen die Türken entgegen den
Wett-Tipps aller Experten das favorisierte Arsenal im
Elfmeterschießen – obwohl Galatasaray nach einer roten
Karte für ihren Starspielmacher Gheorghe Hagi den
Großteil der Verlängerung über mit zehn Mann auskommen
musste.
Damals beim
ersten europäischen Titel eines türkischen Vereins mit
dabei: Einer der größten und
erfolgreichsten türkischen Spieler überhaupt: Hakan
Şükür. Der Stürmer holte mit Galatasaray insgesamt
acht Meisterschaften, wurde zudem dreimal
Torschützenkönig der Süper Lig. Nach dem Erfolg im
UEFA-Pokal versuchte er sein Glück im Ausland, kehrte
nach drei wenig erfolgreichen Jahren aber zurück nach
Istanbul.
Der dritte Istanbuler Club, der
bei Süper Lig-Wetten stets zu den Mitfavoriten auf den
Titel zählt, ist zugleich der älteste Sportclub
der Türkei: Beşiktaş. Das Inönü Stadion, in dem die
„Schwarzen Adler“ ihre Heimspiele austragen, gehört zu
den lautesten Stadien überhaupt und gilt dank seiner
Lage direkt am Bosporus zugleich als eines der
schönsten der Welt. Der mehrfache Meister und
Pokalsieger ist die bislang einzige Mannschaft, die
die Süper Lig ohne Niederlage gewinnen konnte, steht
auf europäischer Ebene aber im Schatten der beiden
Stadtrivalen. Die Duelle mit Galatasaray und
Fenerbahçe erreichen zwar nicht die Brisanz des
Interkontinentalen Derbys, sind aber trotzdem heiß
umkämpft und in jedem Jahr allemal eine Sportwette mit
Wettbonus wert.